Normative und ökonomische Perspektive
Die normative Perspektive prüft, ob regulatorische Anforderungen über den Planungshorizont – auch unter adversen Szenarien – eingehalten werden. Die ökonomische Perspektive betrachtet den Substanzwert und alle wesentlichen Risiken unabhängig von aufsichtlichen Kategorien.
Beide Perspektiven müssen konsistent sein, dürfen aber unterschiedliche Ergebnisse liefern. Wichtig ist, dass die Unterschiede erklärbar sind und nicht aus inkonsistenten Annahmen resultieren.
Risikoinventar und Wesentlichkeit
Der Prozess beginnt mit einem vollständigen Risikoinventar und einer nachvollziehbaren Wesentlichkeitsbeurteilung. Risiken, die nicht in Säule 1 abgebildet sind – Konzentration, Zinsrisiko im Anlagebuch, Geschäftsmodellrisiko, Modellrisiko, Klimarisiko – gehören ausdrücklich dazu.
Für jedes wesentliche Risiko braucht es eine Quantifizierungsmethode oder eine begründete Erklärung, warum eine qualitative Behandlung ausreicht.
Liquidität und Refinanzierungsstruktur
Der ILAAP betrachtet Refinanzierungsstruktur, Konzentration von Geldgebern, Besicherungsfähigkeit von Aktiva, Innertagesliquidität und die Wirksamkeit von Notfallmaßnahmen unter Stress.
Die Angemessenheit des Liquiditätspuffers hängt weniger von seiner Größe ab als von seiner tatsächlichen Verwertbarkeit in dem Szenario, in dem er gebraucht wird.
Verwendung und aufsichtlicher Dialog
Der Nachweis der tatsächlichen Verwendung ist entscheidend: Kapital- und Liquiditätsbeurteilungen sollten Limite, Preisgestaltung, Wachstumsentscheidungen und Ausschüttungen erkennbar beeinflussen.
Im aufsichtlichen Dialog überzeugt weniger der Umfang der Unterlagen als die Fähigkeit der Verantwortlichen, Annahmen, Grenzen und Schlussfolgerungen ohne Rückgriff auf Dritte zu erklären.
Fazit
ICAAP und ILAAP sind dann wirksam, wenn sie ein konsistentes, unternehmensspezifisches Bild von Risiko, Kapital und Liquidität zeichnen, das die Steuerung tatsächlich prägt.
Quellen und weiterführende Informationen
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