Jonas Osman AbdelghafourQuantica Risk Modelling

Klimarisiko in Banken und Versicherungen

Klimarisiko ist keine neue Risikoart, sondern ein Treiber bestehender Risikoarten. Es wirkt über Kredit-, Markt-, Versicherungs-, operationelles und Reputationsrisiko und unterscheidet sich vor allem durch seinen Zeithorizont, seine Pfadabhängigkeit und die begrenzte Aussagekraft historischer Daten.

Physische Risiken und Transitionsrisiken

Physische Risiken umfassen akute Ereignisse wie Überschwemmungen, Stürme, Hitzewellen und Waldbrände sowie chronische Veränderungen wie Meeresspiegelanstieg, Dürrehäufigkeit und Temperaturverschiebungen. Sie treffen Sicherheitenwerte, Schadenlast und Betriebsfähigkeit.

Transitionsrisiken entstehen aus Politik, Technologie, Marktpräferenzen und Rechtsprechung auf dem Weg zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft. Sie können schneller wirken als physische Risiken, weil Erwartungsänderungen Preise unmittelbar verschieben.

Szenarioanalyse statt Prognose

Klimaszenarien sind keine Vorhersagen, sondern konsistente Erzählungen mit quantitativen Pfaden. Ihr Nutzen liegt darin, Anfälligkeiten sichtbar zu machen und Handlungsoptionen zu prüfen – nicht darin, eine einzelne Zahl zu erzeugen.

Die Wahl von Szenarien, Zeithorizonten und Übersetzungsmechanismen in Risikoparameter bestimmt das Ergebnis stärker als die Feinkalibrierung. Diese Wahl gehört deshalb dokumentiert und begründet.

Daten, Granularität und Unsicherheit

Belastbare Ergebnisse verlangen Exponierungsdaten auf Standortebene, Gefährdungsdaten mit ausreichender Auflösung und Vulnerabilitätsannahmen, die zur Bausubstanz beziehungsweise zum Geschäftsmodell passen. In der Praxis ist die Datenlücke größer als die Methodenlücke.

Unsicherheit sollte transparent gemacht statt durch scheinbare Präzision überdeckt werden. Bandbreiten und Sensitivitäten sind für Entscheidungen oft wertvoller als Punktschätzungen.

Governance und Offenlegung

Aufsichtsbehörden erwarten, dass Klimarisiken in Risikoinventar, Risikoappetit, Kapitalbeurteilung und Berichterstattung integriert sind – nicht als separate Nachhaltigkeitsdisziplin.

Offenlegungsanforderungen erhöhen zusätzlich den Anspruch an Datenqualität und Nachvollziehbarkeit, da veröffentlichte Kennzahlen prüfbar sein müssen.

Fazit

Klimarisiko wird handhabbar, wenn es als Treiber bestehender Risikoarten modelliert, über Szenarien statt Prognosen bewertet und mit klarer Dokumentation von Daten- und Methodengrenzen in die reguläre Steuerung integriert wird.

Quellen und weiterführende Informationen

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