Jonas Osman AbdelghafourQuantica Risk Modelling

Bankenrisiko: Kredit-, Markt- und Liquiditätsrisiko im Zusammenspiel

Das Risikoprofil einer Bank wird von ihrem Geschäftsmodell bestimmt: Wer sie finanziert, an wen sie ausleiht, wie lange die Bindungsfristen sind und wie schnell Refinanzierung abfließen kann. Diese Seite ordnet die zentralen Risikoarten und ihre Verbindung zu Kapital, Liquidität und Aufsichtsrecht ein.

Kreditrisiko als dominierende Größe

Kreditrisiko bestimmt in den meisten Banken den größten Teil der Kapitalanforderung. Die Steuerung ruht auf Ratingverfahren, Ausfall- und Verlustschätzungen, Sicherheitenbewertung, Konzentrationsanalyse und der Beobachtung von Migrationen zwischen Ratingklassen.

Konzentration – nach Branche, Region, Sicherheitenart oder Einzeladressen – ist historisch die häufigste Ursache schwerer Verluste. Sie wird von Durchschnittsbetrachtungen systematisch unterschätzt und gehört deshalb ausdrücklich in Limitsysteme und Stressszenarien.

Marktrisiko und Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch

Marktrisiko im Handelsbuch wird über Sensitivitäten, Value-at-Risk oder Expected Shortfall und ergänzende Stresstests gesteuert. Wichtiger als die Wahl der Kennzahl ist die Frage, ob sie die tatsächlich relevanten Risikofaktoren erfasst.

Das Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch wirkt gleichzeitig auf den ökonomischen Wert des Eigenkapitals und auf den Zinsüberschuss. Beide Perspektiven sind erforderlich, weil Maßnahmen, die eine Größe verbessern, die andere verschlechtern können. Verhaltensannahmen zu Einlagen und vorzeitigen Rückzahlungen sind dabei oft der größte Unsicherheitstreiber.

Liquidität und Refinanzierung

Liquiditätsrisiko wirkt schneller als Kapitalrisiko. Kennzahlen wie Liquiditätsdeckungsquote und strukturelle Liquiditätsquote setzen Mindeststandards, ersetzen aber keine institutsspezifische Analyse von Refinanzierungskonzentration, Besicherungsbedarf und Marktzugang unter Stress.

Ein glaubwürdiger Notfallplan benennt konkrete Maßnahmen, ihre realistische Wirkung, den Zeitbedarf und die auslösenden Indikatoren – und wird regelmäßig getestet statt nur dokumentiert.

Kapitalplanung und Stresstests

Die Kapitalplanung verbindet Geschäftsstrategie, Risikoprofil und aufsichtliche Anforderungen über einen mehrjährigen Horizont. Sie ist erst dann aussagekräftig, wenn sie auch unter adversen Szenarien durchgerechnet wird und Handlungsoptionen mit Zeitachsen hinterlegt sind.

Stresstests sind kein Prognoseinstrument, sondern ein Steuerungsinstrument: Sie zeigen, welche Kombinationen von Ereignissen die Widerstandsfähigkeit gefährden und welche Maßnahmen vorbereitet sein müssen.

Fazit

Bankenrisiko lässt sich nur integriert steuern: Kredit-, Markt- und Liquiditätsrisiko wirken über Bewertung, Besicherung und Refinanzierung zusammen und müssen gemeinsam gegen Kapital- und Liquiditätsressourcen gestellt werden.

Quellen und weiterführende Informationen

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