Zwei Perspektiven, ein Risiko
Die Wertperspektive misst, wie der Barwert des Eigenkapitals auf Zinsänderungen reagiert; die Ertragsperspektive misst die Wirkung auf den Zinsüberschuss über ein bis drei Jahre. Beide sind notwendig, weil sie unterschiedliche Zeiträume und unterschiedliche Steuerungsfragen abdecken.
Maßnahmen können gegenläufig wirken: Eine Verkürzung der Duration schützt den Barwert, kann aber den Zinsüberschuss senken. Diese Zielkonflikte gehören explizit in die Entscheidungsvorlage.
Verhaltensannahmen
Der größte Modellierungsanteil liegt in Positionen ohne feste Zinsbindung: Sichteinlagen, Sparprodukte, vorzeitige Kreditrückzahlungen und Kreditlinien. Die angenommene Bodensatzstabilität von Einlagen bestimmt maßgeblich das gemessene Risiko.
Diese Annahmen sollten empirisch belegt, regelmäßig überprüft und in Stressphasen bewusst konservativer gesetzt werden, da Kundenverhalten gerade dann von historischen Mustern abweicht.
Szenarien und Limite
Aufsichtliche Standardszenarien – Parallelverschiebungen, Versteilerung, Verflachung, kurz- und langfristige Schocks – bilden die Vergleichsbasis. Institutsspezifische Szenarien ergänzen sie um Basisrisiken zwischen Referenzzinssätzen und um Optionalitäten.
Limite sollten beide Perspektiven abdecken, mit Frühwarnschwellen versehen sein und eine klare Eskalationsordnung besitzen.
Governance und Absicherung
Das Aktiv-Passiv-Komitee entscheidet über Positionierung und Absicherung innerhalb der vom Vorstand gesetzten Grenzen. Wirksame Governance verlangt, dass Bewertungen, Annahmen und Ergebnisse unabhängig von der Handelsseite überprüft werden.
Absicherungsentscheidungen sollten Kosten, Wirksamkeit unter mehreren Szenarien und die bilanzielle Behandlung gemeinsam betrachten, damit ökonomische und ausgewiesene Wirkung nicht auseinanderlaufen.
Fazit
IRRBB wird gut gesteuert, wenn Wert- und Ertragsperspektive gemeinsam betrachtet, Verhaltensannahmen empirisch belegt und Zielkonflikte transparent entschieden werden.
Quellen und weiterführende Informationen
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